Einfach mal eine eMail schreiben und abwarten was passiert? So könnte man mein Vorgehen bei dem Technischem Museum in Berlin/ Kreuzberg beschreiben, nach einem kurzem Anruf stand fest: Hier wird ein Shooting organisiert!
Album der besten Bilder.
Hätte ich doch vorher geahnt was da auf mich zu kam. Letztendlich war es aber ein erfolgreiches Shooting das uns wieder ein paar Erfahrungen mehr spendierte. Als kurzes Fazit kann man schreiben "Eine Menge Spass und wunderschöne Fotos!"
Da dies im Grunde mein erstes Shooting war, will ich an dieser Stelle einfach meine Vorgehensweise beschreiben und Euch an den Erfahrungen teilhaben lassen. Interessiert? Dann lest einfach weiter ....
Am Anfang stand ich natürlich vor einem Wust vor Aufgaben, also baute ich mir einen schnellen Plan auf wie am besten alles zu organisieren sei. Als erstes entschloss ich mich die Location zu besichtigen. Ich wollte schon immer einige Bilder im Stile der 20ér Jahre ablichten. Also rief ich die nette Frau für Aussenkommunikation an und verabredete mit ihr einen Termin.
Die Besichtigung
Wir hatten einen kurzen Termin vereinbart und schon ging es los. Als erstes wollte ich mir die Außenanlage anschauen, da ich dort schon ein wunderschönes Thema bei einer Modeparty sehen konnte. Ein alter Wagon stand auf einem Abstellgleis, ich stellte mir schon die tollsten Fotos vor, wo ein Mädel auf den Schienen balanciert usw. Aber ich musste natürlich auch an das Wetter denken. Schließlich hatten wir schon September und das Risiko das unser Shooting im wahrsten Sinne des Wortes ins Wasser fällt ist ziemlich hoch. Niemand konnte ja ahnen das wir einen Jahrhundert-Oktober haben werden.
Jedenfalls war Frau Döhring sehr nett und ist mit mir schnurstracks ins Aussengelände, um mit mir dieses kleine Gleis zu suchen. Ich war schon sehr beeindruckt von dem Entgegenkommen des Museums, das natürlich aufgrund unseres Abkommens basierte. Netürlich kann ich hier nicht erwähnen wie unser Abkommen aussah, aber kurz erwähnt wir hatten beide etwas davon ;)
Am Ende haben wir auch das Gleis gefunden, ich hab auch einige Fotos gemacht. Letztendlich entschieden wir uns aber noch in den Lokschuppen zu gehen und dort nach einer Alternative zu suchen.
Das Museum selber ist wunderschön und riesig, mit viel Mühe wurden hier über Jahrzente die Exponate gepflegt und wiederhergestellt. Das sah man auch an den einzelnen Austellungsstücken, diese wurden wahrscheinlich jeden Tag gewienert. Alles war sauber und geradezu ideal für ein Shooting geeignet.
Als wir um die Ecke biegten stockte mir fast der Atem, ein Wagon aus dem Anfang des 20 Jahrhunderts! Das Besondere an ihm war das er der Lämge nach aufgeschnitten war, man konnte also wunderbar alle Blitze und Reflektoren aussen positionieren, also war die Location gefunden und jetzt musste nur noch der Rest organisiert werden.
Die Planung
Als erstes musste ich ein Team zusammen trommeln. Am wichtigsten war natürlich ein Modell, einige Anrufe getätigt und schon stand Elli bereit. Leider hatte Sie einen engen Terminplan und nur an bestimmten Wochentagen frei. Also mussten wir wohl oder übel das Shooting an einem Tag mit voller Besucherfrequenz veranstalten. Letztendlich war dieser tag aber ein Glücksfall, da nicht so viele Besucher bei dem Museum frequentierten. Ein wenig Glück muss man ja auch haben ;)
Zu meinem Erstaunen klappte die Planung reibungslos, einfach mal um Hilfe geschrien im dslr-forum.de und Elli um Hilfe gebeten. Am Ende hatten wir folgende Leutchen zusammen:
- meine Wenigkeit als Fotograf und Organisator
- Elli als Modell
- Antje als Maskenbildner
- Nicola sowie Olaf als Assistenten
Da das Shooting auf einem Wagon stattfinden soll brauchten wir noch zwei Dinge. Ein Kostüm aus den 20er jahren und natürlich eine kleine Geschichte die wir mit dem Shooting erzählen wollen und können. Aber eins nach dem anderen ...
Das Kostüm
Wo nun ein Kostüm bekommen? Kurz mal gegoogelt und siehe an, es gibt einen riesen Kostümfundus in Adlershof ... leider auch mit gepfefferten Preisen! Diese leinigkeit fande ich aber erst heraus, nach dem ich mit Elli 4 Stunden in Berlin unterwegs war ;) Leider hatte das Studio Berlin sich gesagt, bauen wir doch gleich eine kleine Stadt und behalten die Strassennahmen für uns. Mein Navi suchte sich dumm und dämlich, bis wir endlich eine Strasse (Agastrasse) in der Nähe fanden.
Der Fundus lohnt auf jeden Fall. Ich weiss nicht wie gross das Teil ist. aber mehr als 1000qm hat das Teil bestimmt. Jedenfalls haben wir auf Anhieb gleich 6 Kleider gefunden die zu Elli passen würden. Da der Wagon mit seinem alten Holz ziemlich dunkel wirken wird haben wir uns am Ende für ein helles Kleid entschieden. Natürlich mussten wir uns noch Handschuhe und Hüte ansehen und dabei versuchen uns vorzustellen wie ein Mädel in den 20ér jahren gereist ist.
Am Ende kostete das Kleid mit allem Drum und Dran 65 Euro für eine Woche. Jetzt denkt Ihr bestimmt, "Warum nicht für einen Tag ausleihen, dann wird's günstiger?". Denkste, Mindestausleihzeit = 1 Woche ;) Egal, dafür werden es hoffentlich tolle Fotos ;) Jedenfalls hatten Elli und ich ne Menge Spass bei den ganzen Sachen, die da rumlagen. Ich kann jedem nur einen Besuch empfehlen.
Der Skript
Am Ende fehlte uns noch ein Plan wie wir die Shootings aufteilen usw. Jeder kennt das Gefühl, wenn man 2 Stunden seine Kamera in einem Shooting gequält hatte, zermartert man sich das Gehirn was jetzt noch für Posen interessant sein könnten. Deswegen hilft ein Skript, hier kann man die Gefühle, die das Modell darstellen soll, niederschreiben und hat bei Bedarf schnell ein Spikzettel zur Verfügung. Dazu lässt man sich eine kleine Story einfallen:
- Junges Mädchen verlässt auf dem Bahnhof die Famillie und fährt zu Ihren Liebsten.
- Während der Fahrt liest Sie ein Buch, langweilt sich, frischt das MakeUp auf, flirtet und hat Tagträume.
- Bei der Ankunft sucht Sie Ihren Liebhaber, flirtet mit Ihm, findet ihn, freut sich usw..
Ich habe diesen Plan wesentlich ausführlicher in ein A4 Blatt niedergeschrieben und als Skript an alle Beteiligten verteilt. Somit wusste auch Anja (die Maskenbildnerin) wie Sie das Modell ungefähr zu schminken hatte. Das erspart auch unendlich viel Erklärungen und man kann sich auf das wesentliche konzentrieren. ;)
Hier das Skript im PDF Format. .
Der aufmerksame Leser wird entdecken das ich auch gleich die Zeit in 3 Shootings aufgeteilt habe. Wobei ich die chronologische Reihenfolge der Story ignoriert habe: Fahrt, Abfahrt, Ankunft. Das hatte den Vorteil, das man im ersten Teil jede Menge experimentieren konnte und das Modell sich auch langsam auf das Shooting einstellen konnte.
Die Technik
Ich hatte eine Menge Zeug mit. Schliesslich wollten wir ja ein einigermassen professionelles Shooting durchziehen. Hier also die Liste:
- Kamera: Canon 400D
- Objektiv: Tamron AF18-200mm F/3,5-6,3 XR Di II LD Aspherical
- 5 Stative für Blitze und Reflektoren
- 2 Reflektoren 110cm/75cm (rund)
- 2 Softboxen (40*90cm / 75cm Softschirm)
- 1 Kamerastativ
- Funklauslöseset f. Blitzanlage
- 600WS Blitzer als Hauptlicht
- 150WS Blitzer als Aufhellicht
- u.a.
Die meisten Sachen waren von Walimex, da die ein unschlagbares Preis - Leistungsverhältnis haben. Zu den Sachen und wie ich die am Ende aufgebaut habe später mehr.
Das 1.Shooting (Fahrt)
Wie oben bereits erwähnt, wollten wir zuerst ein wenig rumprobieren. Also haben wir uns die "Fahrt" an sich vorgenommen. Die Blitze wurden im 90 Grad Winkel aufgestellt und auf mittlere Leistung eingestellt. Dann ging es an die Feinarbeit mit den Reflektoren. Da wir mit normalen Sonnenlicht zu kämpfen hatten, stellten wir einen schwarzen Reflektor so auf, das das Modell abgeschirmt wurde. Ca. einen Meter unter dem Modell haben wir einen goldenen Reflektor so aufgestellt das sich die Softbox im Reflektor spiegelt. Das lässt sich leicht durch das Lichtdouble überprüfen in dem es einfach auf die Reflexion des Einstell lichtes im Reflektor achtet.
Wieso ein Lichtdouble? Nun, das Schminken des Modells braucht seine Zeit, deswegen sollte man sich einen Probanden suchen, in unserem Fall Nicola die sich super als Lichtdouble machte, der ungefähr die gleiche Statur haben sollte wie das Modell.
Am Anfang mussten wir extrem mit den Reflexionen in der Scheibe hinter dem Modell kämpfen. Mal spiegelte sich die Soft box oder der Rücken zu sehr in der Scheibe hinter dem Model. Hier hilft es nur die Blitze hin und her zu schieben bis es klappte.
Am Ende schaut man sich den Schattenwurf am besten in der Kamera genau an. Hier muss als erstes der schwächere Blitz in seiner Leistung so eingestellt werden, bis die Schatten entsprechend aufgehellt werden. Dann sollte alles stimmen und man kann loslegen.
Das 2. Shooting (Abfahrt)
In dem zweiten Shooting ging es um die Abfahrt, also Abschied von den Eltern oder dem ersten Liebhaber ... wer weiss. Die 20ér Jahre sollen ja ziemlich locker gewesen sein ;)
Hier haben wir den Aufbau so geändert, das wir in Richtung Gang fotografiert haben. Das Licht wurde so aufgebaut, das es den Eindruck hat als ob es durch die Wagonfenster auf das Modell scheint. Wie auch im Titelbild zu sehen ist, sind hier besonders schöne Bilder entstanden.
Leider ist mir der Fehler passiert, das ich an das Funktionsrad rangekommen bin und dabei aus Versehen die Blitzbelichtungszeit auf 1/130 statt der Synchronzeit von 1/200 gestellt hatte. In dem rechten Bild sieht man die leichte Überbelichtung.

Auch die Schärfeeinstellung hat mich fast in den Wahnsinn getrieben. Das Problem ist hier die fast nicht vorhandene Beleuchtung in dem Lokschuppen. Auf den Autofokus kann man getrost erst einmal verzichten da der sich sowieso tot pumpt. Also muss man alles per Hand fokussieren.
Dabei benutze ich meisst den mittleren Fokussierpunkt und stelle solange hin und her bis das Punkt aufblitzt. Dabei sollte man das Modell anweisen genau in die Kamera zu schauen und die pupille anvisieren. Das wichtigste ist immer den Schärfepunkt auf die Augen des Modells zu fokussieren. Das ist mir nicht immer gelungen. ;)
Das 3. und letzte Shooting (Ankunft)

Das letzte Shooting wurde in einem der augeschnittenen Abteile vorbereitet. Wunderschöne Plüschsessel und ein schwarzes Kleid von Elli gaben dem Shooting den richtigen Rahmen. Um den Fun Faktor etwas höher zu halten, wollten wir am Ende noch ein weinendes Modell aufnehmen. Elli hatte dafür extra Augentropfen besorgt die wohl aus einer Salzwasserlösung bestanden. Um es kurz zu machen, die Fotos sind wohl fast die besten in der Serie geworden.
Wir experimentierten ein wenig mit dem Licht und haben auch mal ein 300mm Tele rausgeholt. Die Beleuchtung an sich war etwas schwierig umzusetzen. Wir mussten das Hauptlicht durch das Abteilfenster scheinen lassen. Für einen Reflektor war nur Platz in einen der vorderen Sessel. Auf dem Foto rechts kann man sich einen kleinen Überblick verschaffen wie das Set aussah.
Sehr wenig Platz, aber fast die besten Bilder.
So ich hoffe Euch hat mein Erfahrungsbericht ein wenig Spass beim Lesen verschafft? Jedenfalls werden wir noch so einige Shootings machen und wenn Zeit vorhanden dann gibt es auch wieder einen kleinen Bericht darüber.
Euer Frank.
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